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Ich Hatte Viel Bekümmernis

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Editorial Reviews: 
ICH HATTE VIEL BEKÜMMERNIS


Custom Reviews: 
Musikalische Höchstleistungen statt Dogmen
5 out of 5 stars.
Wer Bachs Kantaten in historischer Aufführungspraxis bevorzugt, aber nicht unbedingt auf die solistische Besetzung à la Rifkin oder Parrott besteht, der tut sich mit Philippe Herreweghes Interpretationen immer etwas Gutes. Herreweghe ist kein Dogmatiker, sondern animiert seine Musiker und Sänger zu musikalischen Höchstleistungen, die eigentlich auch Anhänger der traditionellen Interpretationsweise überzeugen müssten (oder zumindest diejenigen unter ihnen, die selbst keine Dogmatiker sind!). Die beiden Kantaten "Ich hatte viel Bekümmernis" und "Am Abend desselbigen Sabbats" werden hier samtweich-ruhig vorgetragen. Der mit 20 Sängern besetzte Chor sowie die Solisten Howard Crook, Tenor, und Barbara Schlick, Sopran, fügen sich zu einer Einheit, die nur ein wenig durch Gèrard Lesne, Countertenor, gesprengt wird: Lesne hat eine sehr schöne Stimme, aber er scheint nicht unbedingt der Mann für Bach zu sein, zu opernhaft und leicht affektiert kommt sein Gesang daher. Die beiden Bässe Peter Harvey und Peter Kooy ergänzen das fast durchweg positive Bild. Da hier auch klangtechnisch alles in Butter ist, bleibt einem nur übrig, sich zurückzulehnen und diese herrliche Musik zu genießen.

ein stern am himmel
5 out of 5 stars.
Die vorliegende Aufnahme der grossen Kantate BWV21 besticht durch die feingliedrige Ausgestaltung Herreweghes, der schlicht und doch facettenreich das barocke Ensemble leitet. Bereits der Eingangschor zieht den Hörer voll und ganz in die kathartische Thematik.
Die Stimmen der Interpreten lassen auch in keiner Hinsicht zu wünschen übrig: Barbara Schlicks schlanker Sopran, der für die bachsche Musik geradezu geschaffen scheint, Crooks Tenor, der leicht und durchdringend die "Bäche von gesalznen Zähren" besingt, Lesnes lockere und volle Altstimme, die sehr charakteristisch röhrig klingt und Kooys warme, sonore Stimme, die das Fundament bildet--- das Zusammentreffen dieser Künstler ist wohl eine schicksalshafte Begegnung!
Bach lebt sich tonmalerisch voll aus: Affekte wie die aufgebrachte Seele werden reich und doch nicht ausladend in der barocken Tonsprache auskomponiert. Ein oft verwendeter Choral Bachs "Wer nur den lieben Gott läßt walten" findet auch in dieser Kantate seinen wichtigen Platz: In einer unbescheiblich schönen Art und Weise schichtet Bach über den Choral fantasieartige Tonkaskaden des Chors.

Läßt der Hörer sich auf diese Komposition ein, und geht er mit ihr auf diese wundersame Reise der Tröstung, so kann die Katharsis im aristotelischen Sinne ihre ganze Wirkung zeigen! Sie Seele ist nach dem fulminanten positiven Finale geläutert, die Sorgen und Ängste scheinen relativiert. Der Trost hat seine Aufgabe im höchsten Maße erfüllt!

Mein Klassiker
5 out of 5 stars.
Traurig - Tröstend: - Grossartige Musik von Bach

Zur Kantate 21: Wenn man sich zurückzieht und eine CD einwirft, dann soll die meistens "schön" oder "erfreulich" sein. Manchmal ist aber die Eigene Stimmung so trüb dass es etwas trauriges sein soll. Da ist Bachs K21 Fantastisch. Sie spricht sehr persönlich Gefühle an, die jedem bekannt sind: So steht sie aus zahlreichen anderen Kantaten heraus, die manchmal ein Stück weit in gewisse Langeweile aus aneinandergereihten Rezitativen und Chören verfallen. Hier nicht: Der Aspekt des menschlichen Lebens "Bekümmernis, sich Verlassenfühlen, am Boden sein" wird so einfühlsam, persönlich und überzeugend rübergebracht wie ich es sonst kaum aus einm Bach'schen Werk kenne; am ehesten vielleicht noch aus den Passionen.
Danach kommt dann der Trost-Teil, bei dem im religiösen Sinne Göttlicher Trost versprochen und zu Zuversicht aufgerufen wird. Aber nicht nur drauf warten, auch was für tun:
"Die folgend Zeit verändert viel
Und setzet jeglichem sein Ziel."

Das ganze Werk kommt ohne jede Bombastik aus, auch das macht es so ansprechend, klein und fein und anders als die grossen Oratorien.

Auch eine kleine Anekdote ist eingebaut: Angeblich hätte Bach immer auch gerne mal eine Oper geschrieben, durfte das aber nicht: Da er Protestant war, und Opern aus Italien kommen, und in Italien der Papst sitzt, war das einem ordentlichen protestantischen Komponisten leider verboten.
In einem Trick, diese Restriktion zu unterwandern, hat er hier einen metaphorischen Dialog zwischen "Jesus" und "Seele" eingeflochten, der nichts anderes ist als ein wunderbar komponiertes Liebesduett der Barock-Oper.

Zur Aufnahme: Die Interpreten und Interpretation sind hervorragend, da gibt's nicht viel zu Rezensieren. Leider kommt die CD in einem billigen Pappumschlag, vermutlich als Werbe-CD für das Label gedacht. Das ist aber recht wenn man dafür eine derart gute Aufnahme so günstig bekommt.




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