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Volodos spielt Rachmaninoff

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Editorial Reviews: 
ARCADI VOLODOS-RACHMANINOFF
Es ist der Reißer unter den Reißern: Rachmaninoffs drittes Klavierkonzert, das der Komponist für seine eigene Amerikatournee im Jahre 1909 schrieb und im selben Jahr selbst in New York zur Uraufführung brachte. Der Mythos des großen romantischen Klavierkonzerts wird hier vielleicht zum letzten Mal in der Musikgeschichte auf hohem Niveau lebendig, und es ist immer ein besonderes Erlebnis, das mittlerweile legendäre (und legendär schwere) Stück von einem Pianisten zu hören, der die harte russische Schule des Klavierspiels durchlaufen hat.

Arcadi Volodos, auf den genau das zutrifft, ist sich der gewaltigen Inszenierung, die dieses Stück darstellt, bewusst -- und er weiß auch ganz genau, dass er (und nur er) die wichtige Rolle in diesem gewaltigen Drama für Klavier und Orchester spielt. Absichtlich banal lässt Rachmaninoff den Solisten einsetzen -- mit einer Melodie, die jeder Klavierschüler nach einigen Wochen beherrschen würde. Volodos gestaltet auch diesen gewollt leichten Anfang, der die Spannung erhöht, mit viel Geschmack, lässt in ausgeklügelter Phrasierung das Tasteninstrument singen und stürzt sich in die ersten heiklen virtuosen Passagen, die er trocken wie eine kleine Vorübung für Kommendes hinwirft. Das Orchester -- immerhin die Berliner Philharmoniker unter James Levine -- macht dabei eine eher flache Figur, wirkt konturenlos und zeigt sich kaum als ebenbürtiger Partner. So blendet man den Begleitapparat schnell aus, genießt freilich die solistischen Bläserpassagen, die sich immer wieder in die halsbrecherischen Klavierpassagen mischen, doch man folgt Volodos' gehaltvoller "Klangrede" hingerissen, als sei der Pianist bei der Liveaufnahme in der Berliner Philharmonie alleine auf dem Podium gewesen. Ein solches Konzept lässt es dann auch nicht als Bruch erscheinen, wenn sich der Solist nach den rasanten Gewirbel im Finale als "Zugabe" einigen Solostücken widmet -- darunter eine Rarität: Volodos' eigene Bearbeitung des langsamen Satzes von Rachmaninoffs Cellosonate op.19.

Fazit: Wir haben es hier im Grunde mit einem großen Volodos-Porträt zu tun -- und einem sehr gelungenen dazu. --Oliver Buslau



Custom Reviews: 
Überbewertet
2 out of 5 stars.
Ich falle mit meiner Bewertung sicherlich etwas aus dem Rahmen und möchte diese Aufnahme auch keinesfalls schlecht machen (bzw. schlechter als sie ist) aber so gut wie sie hier dargestellt wird ist sie meiner Meinung nach nicht.
An den Ausführenden mag es kaum liegen, denn natürlich ist Arcadi Volodos ein überragender Techniker und dass die Berliner Philharmoniker noch immer zu den weltbesten Orchestern zählen (trotz Sir Simon Rattle) dürfte ebenfalls hinreichend bekannt sein. Nein, meine Kritik gilt der Interpretation. Für meinen Geschmack wirkt alles zu glatt, Volodos spielt schön und (fast) fehlerfrei, die Tempi stimmen auch aber er riskiert musikalisch rein gar nichts. Genauso steht es mit dem Orchester, welches zwar jederzeit ansprechend begleitet, genauso gut aber den Orchesterpart in einem der Klavierkonzerte von Chopin spielen könnte (was nicht heißen soll, dass mir diese nicht gefallen).
Ich bin kein Musikkritiker und will daher gar nicht weiter ins Detail gehen. Ich bin trotz allem ein Musikliebhaber und möchte niemandem die Freude an diesem wunderschönen Konzert nehmen, deshalb hier einige Empfehlungen: Stephen Hough (bei Hyperion), Bernd Glemser (Naxos), Zoltan Kocsis (Philips), Tzimon Barto (Emi), Earl Wild (Chandos).
Nichts für ungut, zum kennenlernen des Werkes ist diese Aufnahme durchaus geeignet, es war damals auch meine erste, im vergleich zu anderen Aufnahmen (auch weniger populären) schneidet sie für mich allerdings eher schlecht ab.

Warum ist diese Aufnahme mein absoluter Favorit?
5 out of 5 stars.
Schon der Beginn im Orchester lässt aufhorchen: Da ?schwummert" nicht irgendein weicher undefinierbarer Klang im Orchester durch die zwei Takte, bis das Soloklavier endlich einsetzt, nein da ist elastische Spannung, die pulsiert, und auch die Mittelstimmen sind klar zu hören. Volodos beginnt die Eingangsmelodie äußerst zerbrechlich im pianissimo, dabei elegant und geschmackvoll phrasiert. Über die langen Figuren bis zum ersten Höhepunkt zieht er den Bogen aber ohne nachzulassen dann konsequent durch.
Dies sind eigentlich schon die drei Tugenden, die diese Aufnahme für mich vor allen anderen einreiht: Ein unendlich souveräner Pianist, der mit schier unheimlicher Sicherheit alle halsbrecherischen Stellen meistert - keinem sonst gelingt es, die große Kadenz im 1. Satz dermaßen gewaltig und spannungsreich, dabei immer musikalisch dicht und gesanglich zu verwirklichen und sie nicht zum ?Tastenhackinfernale" verkommen zu lassen. Gleichzeitig ein lyrischer Pianist, der die komplex strukturierten Mittelstimmen und polyphonen Linien im Gewebe mit klarsten Ton und vielfältigsten Schattierungen, die nachdenklichen Momente mit so viel Tiefe auszukosten vermag. Ein dramaturgischer Pianist, der trotz unendlicher Detailgenauigkeit nie die großen Linien aus den Augen verliert und einem mit seiner grenzenlosen Konsequenz jedes Mal Schauer den Rücken herunterjagt. Und schließlich ein Orchester, das intensiv, dabei klar durchhörbar und mit elastisch-rhythmischer Spannkraft den Klavierpart nicht nur in voller Übereinstimmung unterstützt sondern sich ihm auch als ebenbürtiger Partner entgegenstellt. Ohne Zweifel spielt hier auch die Aufnahmetechnik eine Rolle, der Flügel klingt satt und rund und die Balance vergisst das Orchester nicht, wie dies leider bei einigen Konkurrenzaufnahmen der Fall ist. So taucht man gebannt in die so vielfältigen Gefühlsräume von Rachmaninows Musik ab, und wenn am Schluss das Bravogeschrei des Publikums einem plötzlich in Erinnerung bringt, dass dies eben sogar noch ein Live-Mitschnitt war, bleibt nur noch eine fassungslose Bewunderung vor so viel musikalischem Können.

Tastenlöwe gebändigt
5 out of 5 stars.
A. Volodos ist uns allen, die wir ihn kenne und vielleicht auch schon im Konzert erlebt haben, v.a. als Virtuose im Gedächtnis geblieben. Hier nimmt er das vielleicht virtuoseste Konzert überhaupt (abgesehen von Busonis Mammutwerk) und straft all seine Kritiker Lügen.

Volodos geht das Konzert sehr gemächlich an, weiß sich aber zu steigern und zeigt sich als ein Musiker, dem so schnell keiner aus der jungen Pianistengarde (auch Kissin) bzgl. dieses Werkes das Wasser reichen kann. Da ist jede Note, jede Akzentuierung durchdacht. kaum zu glauben, daß er das Konzert in 3 Tagen gelernt haben soll.

James Levine und das Orchester begleiten bei diesem Live-Mitschnitt vorzüglich, die weiteren Bonbons auf dieser CD sind eine Homage an einen großen Komponisten

Zurückhaltend und detailreich
4 out of 5 stars.
Seit langer Zeit wurde erwartet, daß der neue Stern am Pianistenhimmel, der junge Russe Arcadi Volodos, eine neue Aufnahme vorlegen würde. Spekuliert wurde, ob es das 1. Klavierkonzert von Tschaikowsky oder das dritte von Rachmaninov sein würde, da Volodos diese beiden häufig im Konzert gespielt hatte. Nun liegt ein Live-Mitschnitt des letzteren vor, welcher während eines Konzerts in Berlin im Juni 1999 entstand. Nun gilt das 3. Klavierkonzert Rachmaninovs, zu Recht als eines der schwierigsten Konzerte, wenn nicht sogar als das schwierigste. Die spieltechnischen Anforderungen sind enorm, der Solist muß sowohl über eine hochentwickelte Anschlagskultur wie auch über die nötige Kraft verfügen, den vollgriffigen Akkordpassagen gerecht zu werden. Als Referenzeinspielungen werden in diesem Zusammenhang immer Aufnahmen von Vladimir Horowitz sowie von Martha Argerich; an diesen muß sich Volodos messen lassen. Wer von Volodos jedoch eine mit überbordender Virtuosität und wahnwitzigen Tempi gespickte Einspielung erwartete - was aufgrund seiner technischen Fähigkeiten und seiner Vorliebe für schwierigste Liszt-Transkriptionen nicht ganz fernlag - wird enttäuscht; Fans einer solchen Interpretation sollten sich dann eher der Aufnahme von Martha Argerich (Philips) zuwenden. Dies soll nicht bedeuten, daß Volodos nicht auch energisch und kraftvoll zupacken kann, wenn es das Stück erfordert, so etwa in der Kadenz des 1. Satzes, von der er (im Gegensatz zu Horowitz und Argerich) die vollblütigere Variante wählt. Auch fällt er keineswegs in eine blasse, fast teilnahmslose Haltung etwa seines Landsmannes Berezowsky (Teldec) zurück. Vielmehr sucht er, die Musik für sich sprechen zu lassen und drängt sich nicht in den Vordergrund, führt einen Dialog mit dem ansprechend begleitenden Orchester unter der Leitung von James Levine. Er behält so in jedem Moment die volle Kontrolle über die Spannungsbögen und den Aufbau des Stückes, und vermag durch sein technisches Rüstzeug viele Details zu beleuchten, ansonsten leicht untergehen. So entsteht eine in sich selbst ruhende, überzeugende Interpretation, die romantisch ist, ohne schwelgerisch zu werden und kraftvoll, ohne brachial zu wirken. - Ich persönlich ziehe dennoch die fulminantere Version der Argerich oder die leidenschaftlichere von Ashkenazy (in der Einspielung mit André Previn, Decca) vor. Die übrigen Solo-Stücke von Rachmaninov sind ebenfalls von einer getragenen Grundstimmung, schon die anfängliche Transkription des Andantes aus der Cello-Sonate illustriert die lyrische Seite des russischen Komponisten. So bleibt es auch bei den übrigen Stücken, von gelegentlichen Ausbrüchen (etwa bei den Etudes-tableaux) abgesehen. Volodos entpuppt sich hier als Meister der Klangschattierungen, er vermag selbst im Pianissimo noch differenziert zu artikulieren und wählt insgesamt eher langsame Tempi, die aber durchaus überzeugend dargestellt werden und dem Charakter der Stücke gerecht werden. Die Klangqualität der Aufnahmen ist über jeden Zweifel erhaben. Das Booklet ist informativ, tendiert aber wieder einmal dazu, Volodos als Superstar anzupreisen und in eine Reihe mit Horowitz oder Kissin zu stellen. Dies hat er gar nicht nötig, außerdem ist es für solche Aussagen zum derzeitigen Zeitpunkt noch zu früh.

Technisch perfekt und leidenschaftlich!
5 out of 5 stars.
Bevor ich diese CD kannte hatte ich bereits mehrere Einspielungen dieses Konzerts gehört.

Dabei war eine Einspielung bei Naxos mit Bernd Glemser, die zwar von der Aufnahmequalität überragend, jedoch zu wenig energisch von Seiten des Orchesters war. Auch der Solist konnte nicht wirklich überzeugen (schwammige Passagen, Noten übergangen, ...).

Die andere war von Rachmaninov selbst eingespielt, allerdings ist die Aufnahme schon zu alt, daher qualitativ sehr schlecht und auch Rachmaninov war damals schon ungefähr siebzig Jahre alt, wobei die pianistische Brillanz verloren schien.

Dann wurde ich auf Volodos aufmerksam, den ich schon von seinen anderen Cd's kannte und schätzte und hörte mir diese Einspielung an.

Und endlich war ich rundum zufrieden, sowohl das Orchester als auch der Pianist bringen das Feuer dieses kraftvollen Stückes exzellent rüber. Passagen wo ich bisher nur "Tonbrei" hörte werden trotz hoher Geschwindigkeit glasklar rübergebracht und teilweise erlebte ich im Klavierpart gänzlich neue Meldodien und Klangerlebnisse, die ich vorher noch nicht gehört habe.

Daher kann ich diese CD jedem empfehlen, der endlich einmal hören will wie dieses Konzert angemessen rübergebracht wird.

Dickes Lob an Volodos, endlich ein Pianist der diesem Stück gewachsen ist!




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