| Alle drei dieser Bach-Kantaten basieren auf Martin Luthers Choral "Nun komm, der Heiden Heiland". Zwei von ihnen, BWV 61 und 62, verwenden die Melodie in ihren Eröffnungschören -- und tragen den Namen als Titel. BWV 61 stammt aus Bachs früher Weimar-Periode: Sie enthält einen feierlichen Eröffnungschor mit kraftvoller Streicherbegleitung; eine überschwängliche Tenorarie (im Rhythmus einer Gigue), die die Ankunft des Heilands feiert, ferner eine jungfräuliche Sopranarie sowie einen fast wundersamen Schlusschoral, der in lediglich 45 Sekunden ein Gefühl von freudigem Erstaunen erzeugt. BWV 62 beginnt mit einem ähnlich feierlich-ernsten, aber dichter komponierten Choral und fährt dann mit einigen festlichen Solostücken fort. BWV 36, "Schwingt freudig euch empor", ist die längste und prächtigste der drei Kantaten. Während der glänzende Eröffnungschor diesmal nicht die "Nun komm"-Melodie anstimmt, kann man sie -- eingestreut in die Arien -- in den drei anschließenden Sätzen hören -- in gewisser Weise ähnlich jenen in der berühmten Osterkantate "Christ lag in Todesbanden". Besonders bemerkenswert davon ist das Sopran/Alt-Duett und das hinreißende Tenortrio (der den Choral singt) sowie zwei Oboen. Die Darbietungen auf dieser CD sind einfach atemberaubend, selbst an Philippe-Herreweghe-Standards gemessen. Seit 1996, dem Zeitpunkt dieser Aufnahme, haben die Sopranistin Sibylla Rubens und Mezzosopran Sarah Connolly einen Siegeszug durch die europäischen Opernhäuser gefeiert; ein Glück nun zu hören wie wohl sie sich hier fühlen und wie sehr sie zu diesem, auf alten Instrumenten gespielten Bach passen. Ganz so wie ihre auf diese Richtung spezialisierten Kollegen, die Spitzenkräfte Christoph Prégardien und Peter Kooy. Die Wärme, Präzision und tonale Schönheit des Collegium Vocale (sowohl des Chores als auch des Orchesters) ist -- wie üblich -- wunderbar. --Matthew Westphal |