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In 180 Tagen um die Welt: Das Logbuch des Herrn Johann Gottlieb Fichtl

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Eine lustige und überaus unterhaltsame Geschichte aus dem Mikrokosmos eines Kreuzfahrtschiffes
5 out of 5 stars.
Dies ist die lustige und absolut unterhaltsame Geschichte von Johann Gottlieb Fichtl, seines Zeichens bayrischer Finanzbeamter. Seit Jahren unterhält er mit seinen Spezis eine Tippgemeinschaft im Lotto. Nun haben sie endlich gewonnen: Eine Weltreise über 180 Tage in einem der besten Luxusliner der Welt. Doch da nur eine Person reisen darf, werfen die fünf Freunde untereinander das Los. Johann Gottlieb Fichtl gewinnt und verspricht seinen Freunden hoch und heilig, ihnen über diese außergewöhnliche Reise und seine dabei gemachten Erlebnisse ausführlich zu berichten.

So, wie er es als bayrischer Finanzbeamter gewohnt ist, führt er nun akribisch sein tägliches Logbuch. Er hält alles fest, was so eine Seereise auf der "MS Europa" an Abenteuern und Beobachtungen bietet. Und das sind nicht wenige. Mit einem viel zu großen Smoking und einem ganzen Arsenal an Motivkrawatten ausgestattet, macht die Schiffsgemeinschaft Johann Gottlieb Fichtl schnell zum "Herrn Doktor". In der Schiffskneipe "Sansibar" ist Fichtl ein gern gesehener Gast und wird binnen Wochen zur Projektionsfläche seiner Mitreisenden und somit auch bald zum eingeweihten Mitwisser der Lebensprobleme- und Geheimnisse der anderen Schiffsgäste. An Bord befinden sich allerlei Stars und Sternchen, vor allen Dingen aber eine Menge ganz unterschiedlicher Menschen, die glauben, sich in 180 Tagen Weltumfahrung neu erfinden zu können.

Und so erleben wir in der Schilderung Fichtls ( Polityckis ) eine Menge interessanten Klatsch und Tratsch, skurrile Personen mit den ungewöhnlichsten Geschichten. Faktotum der Reise ist der Oberkellner Ludwig Forsthaber, einer der vielen österreichischen Bediensteten an Bord, der schon auf seiner fünfzehnten Weltreise die Leute bedient, und den mit seinem Schmäh nichts aus der Ruhe bringt.

Matthias Politycki ist ein hervorragender Schelmenroman gelungen, der den Leser aus dem amüsierten Schmunzeln über das Leben in einem einzigartigen Mikrokosmos nicht herauslässt. Der Autor schreibt durchaus aus eigener Anschauung, denn er war auf der "MS Europa" für 180 Tage als Schiffsschreiber eingeladen.

Ein lesenswertes und unterhaltsames Buch.


Fantastischer Mikrokosmos Kreuzfahrt
5 out of 5 stars.
Das Gejammer manch anderer Rezensenten ist nicht nachzuvollziehen. Es geht Politycki mit seinem Helden Fichtl doch hier nicht nur um die satirische Entlarvung eines Besserverdiener-Vergnügens, sondern um die Erschaffung einer ganz eigenen Wirklichkeit. Als Schiffsschreiber benutzt er dabei die naheliegende Form des Logbuchs. Und wie es dem Autor gelingt, aus dieser relativ trockenen, an Fakten orientierten Form Funken zu schlagen, das macht ihm in Deutschland so schnell keiner nach. Das Geheimnis ist die fein dosierte Hinzufügung fantastischer Details. Da nistet im Haarkranz einer betuchten Dame eine Meise, da ist von Kielschweinen die Rede, die ihr Biotop tief unter Deck haben. Aber auch Freunde der scharf gewürzten Beobachtungen kommen nicht zu kurz: Treffend skizziert Politycki die Besserverdienenden-Physiognomie, ihre zum Teil von erheblicher Verwöhnheit zeugenden Benerkungen und Gesprächsthemen. Aber er tut dies nicht populistisch anprangernd, sondern mit feiner Ironie und durchaus auch mit augenzwinkernder Sympathie. Die Form des Logbuchs teilt das Ganze in schöne Sinneinheiten, ein Fünf-Sterne-Lesevernügen!



Keine Reiseliteratur!!!
4 out of 5 stars.
Hier gibt es keine Informationen oder nützliche Tips für die Kreuzfahrt. Vielmehr sind allerlei skurrile Begebenheiten zusammengetragen, die so in 180 Tagen passieren können - vor allem, wenn man mit vormals Fremden 180 Tage in einem Biotop Kreuzfahrtschiff (okay, ein paar Landausflüge sind dabei) verbringt.
So mag dann jeder selbst entscheiden: (Alb-)Traumurlaub?
Die Entscheidung wird unterstützt durch die Beschreibung vieler witziger und tragischer Szenen (täglich mindestens eine)und das tägliche Photo, das in diesem Tagebuch enorm weiterhilft ("Ein erster Blick: aufs Staatgebiet der Bahamas", "Ein erster Blick: auf eine merkwürdige Verfärbung des Himmels", "Ein erster Blick: So sieht also der Pazifik aus".
Vergnüglich - und im Anschluss daran David Foster Wallace: "Schrecklich amüsant - aber in Zukunft ohne mich". Das passt zusammen.

Das Leben an Bord eines Kreuzfahrers
3 out of 5 stars.
Man lernt an Bord eines Luxusliners das Leben in seiner absurdesten Form kennen, muss allerdings peinlichst darauf achten, dass man bei der Vielzahl und Vielfalt von Essensangeboten nicht viele Kilo zunimmt oder gar verfettet. Millionen Fernsehzuschauer haben in der ZDF Serie Das Traumschiff" die einen oder andere Kreuzfahrtetappe miterlebt. Jetzt hat der Autor Matthias Politycki, ein außergewöhnlicher Humorist, im Mare Verlag den modernen Schelmenroman "In 180 Tagen um die Welt" geschrieben. Er hat tatsächlich eine Weltreise gemacht, nicht auf dem Traumschiff der MS Deutschland, sondern auf dem wahrscheinlich schönsten Schiff welches zurzeit auf den Weltmeeren kreuzt, der Fünfsterneplus MS Europa. Sämtliche Figuren, die diese Reise auf der luxuriösen "Hütte" unternehmen sind reine Phantasiegestalten, auch der Protagonist, den er in Anlehnung an den Philosophen Johann Gottlieb Fichte (18. Jahrhundert), scherzhaft Johann Gottlieb Fichtl nennt. Dieser Fichtl Hannes", ein einfacher Finanzbeamter aus dem Bayrischen Wald, reist als Teil einer Tippgemeinschaft, die einen Lottogewinn gemacht hat. Der Gewinn hat nur für einen Passagier gereicht. Das Los fällt auf Fichtl, er darf reisen und schreibt nun für seine Lottobrüder ein Tagebuch. Jeden Tag ein Photo, zwei Seiten mit allen herausragenden Ereignissen, Abfahrt, Ankunft, Ankerplatz, Wetter, Windrichtung, Windstärke und zurückgelegte Seemeilen.

Wegen seiner Motivkrawatten, die in den Augen seiner Tischgesellschaft als Gesinnungskrawatten bezeichnet werden, weil häufig die Kirchturmspitze im Krawattenkonten "abgezwiebelt" wird und wegen seines übergroßen Geheimdesigner Aldi-Smokings", vermuten seine
Mitreisenden in ihm einen ganz "Großen" zu erkennen. Der Schlips ist schließlich die Flagge eines Mannes von Welt. Das der auch noch ein echter Doktor ist, steht da außer Frage. Und so berichtet nun unser Dr. Fichtl in 184 "Shortcuts" vom Welcome Dinner mit "Amuse bouche", anschließendem Kapitänsempfang und der obligatorischen Welcome Show, dem "hochamtlichen Spektakulum" Äquatortaufe, der Seekartenversteigerung, dem Schnäppchen des Bordjuweliers im Zusammenhang mit der Miss Europa Wahl, dem Bayrischen Frühschoppen, den unterschiedlichsten Badeabenteuern, den Bojenmalkursen, den herausragenden Events, wie dem Sprung von der Sydney Harbour Bridge, von lebenden Frühlingsrollen oder den im Schiff gemästeten Kielschweinen, von unerquicklichen Begegnungen, den Weisheiten der Fremdenführer, dem Marlboro Channel, Ausschiffungen und Einschiffungen, von karibischen Entgleisungen, dem Meckercocktail, der fortwährenden Gerüchteküche, den Vorteilen auf der alten Europa und dem Witwenkoller. Das Programm wechselt im Halbstundentakt, Morgenandacht, Turnstunde, Golfsimulation, Bingo, Seemeilenwette, Kochkurs, Nähkurs, Malkurs, Anti-Aging- Seminare etc. Glühwein und Chrisstollen wird bei 26 Grad am Pool serviert, während eine Steelband "Oh Tannebaum" spielt.

Im Laufe der Reise stellt uns "Fichtl Hannes", in satirischer Form, seine Mitreisenden vor, deckt Sein und Schein auf, beschreibt die Dinge wie sie sind und wie sie scheinen, spiegelt Gerüchte und Intrigen und macht so schließlich aus der Reisegesellschaft ein kunterbuntes "Kuriosenkabinett". Da sind die "Repeater" mit Meilenguthaben auf dem bordeigenen Bonuskonto; der Immobilienjongleur mit der Vision von der Postinsolvenz; der witzige Seebestatter mit den Gutscheinen vom Sozialamt für eine Mahlzeit im Europa-Restaurant; der Professor für Fledermauskunde in der Funktion als Bademeister am Lido Pool; Professor Karasek, der das Schiff in Jesuslatschen durch die Ladeluke verlassen haben soll; Graf Harro, der unseren Protagonisten ständig mit "Sie sind ja ein ganz Schlimmer" anredet; der Russe Wostock, der sein Vermögen mit dem Vertrieb von Schweinohren gemacht haben soll.

Die Österreich-Mafia an Bord will wissen, der Immobilienjongleur P, ist kein Einzelfall: "Mehr Passagiere seien hier stehend k.o. - pleite oder fast pleite-, als man ahne."Dr. Wallosek, 76 jähriger Tischnachbar unseres Protagonisten, den ein Muskelkater wegen seines Nichtstuns plagt, reist inkognito. Vor Jahren hatte man ihn, wegen der "Europa-Wahrheit" beschuldigt, das Erbe zu verprassen. Trotzig unternimmt das Ehepaar Dr. Wallosek seitdem die "Erbminderungsreisen" häufiger, allerdings eben inkognito. Am Nachbartisch sitzt seit Beginn der Reise eine Frau Igelbrink, angeblich Chefin eines weltweit agierenden Mineralwasserimperiums, in Wahrheit ist sie zwangsenteignet, das Imperium zwangsversteigert.

Na ja, so ist es wohl, das tiefere Wesen der Kreuzfahrt besteht in der Simulation. Und wenn ein Schiff und ein Passagier einmal nicht zusammen passen, kann es durchaus auch am Passagier liegen. Vieles klärt sich im Laufe der Reise auf diesem "Narrenschiff" auf. So ist beispielsweise der freundliche österreichische Oberkellner Fasthuber, ehemaliger Passagier der Europa, in Wahrheit ein verarmter böhmischer Baron; Professor Billhardts Sohn ist ein Versager, arbeitet als Kabelträger bei Stefan Raab; Konsul Walder ist Elektriker in Ruhestand, als Ehrenkonsul von Litauern lässt er die ganze Reise von der EU bezahlen; Frau Frunzke, "Miss Europa", ist heimliche Alkoholikerin; Frau Wallosek hat ihre Weißgold-Brillant-Brosche beim Bordjuwelier nur für die Zeit der Reise geleast.

Matthias Politycki ist in seinem Element, wenn er seinen Protagonisten über die Verhaltensweisen und Eigenarten seiner Mitreisenden oder auch die der Crewmitglieder und über die Ereignisse an Bordtagen oder während der Landausflüge persiflieren lässt. "In 180 Tagen um die Welt" ist ein verschmitzter Roman, in dem der Autor die Überempfindlichkeiten der Seereisenden Gesellschaft Glasscherben scharf und satirisch in ihre empfindlichen Einzelheiten zerlegt. Vielleicht hätten dazu auch 90 Seetage gereicht, zu viel schwarzer Humor kann auch schnell langweilen.

Es ist eine amüsante Urlaubslektüre, komisch was da alles an Bord passiert. Einiges stimmt, doch viel wird unglaubhaft und übertrieben dargestellt. Ich weiß wovon ich rede, denn ich habe auch die eine oder andere Kreuzfahrt mit der MS Europa gemacht.


Roman oder das wirkliche Leben ?
5 out of 5 stars.
Man könnte glauben, dieser Herr Politycki hat sich wirklich auf eine 180 tägige Reise gemacht. Ich war noch nie auf einem Kreuzfahrtschiff, möchte aber einmal im Leben morgens aufwachen und aus einem Bullauge das Meer sehen, gut Essen und Trinken an Bord und gemütlich reisen.

2 Seiten ergeben immer einen Tag in diesem Logbuch. Aufgelockert mit einem Foto, oft nur Meer und Himmel zu sehen.

Lustige Namen haben diese Leute schon wie z.B. Herr Laufkötter oder Frau Kipp-Oeljeklaus. Sie unterhalten sich
übers Essen, beschweren sich dass die Ankerkette zu laut ist und geben mächtig an wer Sie sind. Ich habe einige mal laut lachen müssen und bin erst bei Seite 148, der 67. Tag. Das Buch ist auch sehr praktisch finde ich. Auch wenn man nur wenig Zeit hat liest man so 2 oder 4 Seiten und legt es zur Seite. Sollten Sie, lieber Leser, zu den
Millionären und den Snobs zählen, dann ist dieses Buch
vielleicht nicht gerade das Richtige. Für den Rest,
Beste Unterhaltung !




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