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Berlin Alexanderplatz (6 DVDs)

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Editorial Reviews: 
BERLIN ALEXANDERPLATZ


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Ausleuchtung einer Jugenderinnerung
4 out of 5 stars.
Rainer Werner Fassbinder war 14 Jahre alt, als er dem Roman »Berlin Alexanderplatz« von Alfred Döblin begegnete. Ich war 14 Jahre alt, als die Verfilmung im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Egal ob Film oder Buch: Es geht um nicht weniger als um eine neue Art, auf die Welt zu sehen im Irgendwo zwischen Nietzsche und Joyce.

Die Fernsehserie - und auch die nun vorliegende DVD-Version - ohne Einbeziehung des Romans zu bewerten ist unmöglich.

Döblin schrieb im neunten Buch: »Wir sind eine dunkle Allee gegangen, keine Laterne brannte zuerst, man wußte nur, hier geht es lang, allmählich wird es heller und heller, zuletzt hängt da die Laterne, und dann liest man endlich unter ihr das Straßenschild. Es war ein Enthüllungsprozeß besonderer Art.« Merke: Die Dunkelheit ist bei »Berlin Alexanderplatz« existentiell. Ob man die Fernsehserie besser auf 35-mm statt auf 16-mm-Film aufgenommen hätte, kann hier nur eine sekundäre Frage sein.

Um auf den Punkt zu kommen: Die DVD-Box enthält auch einige Sequenzen, die nicht »digitally remasterd« wurden. Dabei handelt es sich um die kurzen Trailer, die jeweils vor Beginn einer neuen Folge ausgestrahlt wurden. Hier pulsiert meine Jugenderinnerung wieder auf.

Die New York Times betrachtete »Berlin Alexanderplatz« als singuläres Ereignis. Höhepunkt ist der Epilog. Einen solchen gibt es im Roman namentlich nicht, aber Fassbinder hat sich hier sehr deutlich am letzten, neunten Buch des Romans orientiert. Zum Beleg hier ein kurzer Absatz: »Mit tiefem Beben empfängt er [Biberkopf] das Bild des jämmerlichen Lüders. Der böse Reinhold latscht auf ihn zu. Mit tiefem Beben empfängt er Idas Worte, Miezes Gesicht, sie ist es, nun ist alles erfüllt.« Es ist atemberaubend: Fassbinder hat praktisch Döblins »Regieanweisungen« umgesetzt.
Es gibt nur wenige, gezielte Punkte, wo Fassbinder an seine Zeit anknüpfte. Etwa bei der Auswahl der Musik zum Epilog, u.a. »Radio Activity« von Kraftwerk. Ich bin mir zu 100 Prozent sicher: Das hätte auch Döblin gut gefallen - der Brückenschlag von der Weimarer Republik zur Bundesrepublik Deutschland, die Ende der 70er Jahre am vermeintlichen Vorabend einer nuklearen Katastrophe stand.

Sehr bemerkenswert ist das Bonusmaterial. Etwa 45 Minuten lang dürfen wir RWF bei der Arbeit zusehen. Wir erleben einen hochkonzentriert arbeitenden Vollprofi.

Jetzt bleibt nur noch, auf eine »unplugged«-Version zu warten, mit Kratzern, Flecken, Wacklern und viel düsterer Dunkelheit. [Würden Sie sich eine hellere Mona Lisa wünschen?]




Berlin im Zimmer
5 out of 5 stars.
Endlich - 25 Jahre nach der Erstausstrahlung wurde anläßlich der Bienale Fassbinders "Berlin Alexanderplatz" restauriert und wieder aufgeführt.Gleichzeitig gibt die Süddeutsche die restaurierte Fassung in einer umfangreichen DVD-Sammlung zu einem Schnäppchenpreis heraus.
Dabei ist die Restaurierung durchaus als gelungen zu bezeichnen, vor allem die sehr dunkle Ausleuchtung der ursprünglichen Fassung wurde erheblich verbessert.Weiterhin glänzt die Sammlung mit umfangreichen Extras zur Entstehung von Fassbinders Verfilmung.
Innerhalb der Verfilmung wird die Geschichte von Franz Bieberkopf nach der Romanvorlage von Alfred Döblins Berlin-Alexanderplatz erzählt.Fassbinder gelingt es,keine bloße Romanbebilderung abzuliefern,vielmehr lässt er auch hier die schon in seinen früheren Filmen eingeflossenen Erfahrungen als Theaterintendant einfliessen:Er inszeniert Berlin Alexanderplatz als Melodram,in dessen Mittelpunkt die homoerotische Beziehung zwischen Franz und Reinhold gestellt wird;ohne allerdings die Handlung der Romanvorlage außer Auge zu verlieren.
Aus Mangel an Originalschauplätzen wird die Handlung meist ins Innen verlegt,Außenaufnahmen finden nur in der sogenannten Berliner Straße,ein Straßennachbau,der auch für andere Filme genutzt wurde,statt.Berlin wird also ins Zimmer verlegt,ein Zimmer,dessen Bildkader immer gebrochen wird,sei es durch Gitterfenster oder geschickte Licht-Schatten-Einstellungen.In diesem Kammerspiel kommen vor allem anderen die phantastischen Leistungen der Schauspieler zur Geltung:Günther Lamprecht brilliert als Franz Bieberkopf,Gottfried John als dessen Gegenspieler Reinhold und Fassbinders Muse Hanna Schygulla überzeugt als Eva.
Ans Ende der Verfilmung stellt Fassbinder einen Epilog,der eine Phantasmagorie aus traumhaften Bildern und für die Zeit der Erstausstrahlung (1982) unerhörten Bildern beeinhaltet, Fassbinders "Mein Traum von Franz Bieberkopf".
Da der Roman aufgrund seiner Montage-und Collageverfahren schon sehr "filmisch" ist,sperrt er sich auf gewisse Weise gegen eine Verfilmung.Trotzdem zeigt Fassbinder,wie die Verfilmung von Literatur gelingen kann:Indem er sich traut,über die Bebilderung des Stoffes hinaus zu interpretieren und neuzuschöpfen.Bestes Indiz dafür ist die Anfangsszene des Films,in der Fassbinder in einer brillianten,ungeschnittenen Einstellung den Weg Bieberkopfs in die Freiheit inszeniert und somit mit filmischen Mitteln den unvermittelten Einstieg des Romans für den Zuschauer verständlicher macht.
Empfohlen sei die Verfilmung allerdings nur unter dem Hinweis,dass schon das Buch keine "leichte Kost" und die vorliegende Verfilmung keineswegs weniger abstrakt ist.

Kongeniales Monumentalwerk deutscher Filmgeschichte
5 out of 5 stars.
Pünktlich zum 25. Todesjahr des erfolgreichsten deutschen Nachkriegsregisseurs, wurde die filmische Umsetzung des Romans von Alfred Döblin aufwendig digital remasted und somit wieder der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Erzählt wird die Geschichte eines gutwilligen, aber schwachen kleinen Mannes, den seine brutale Umgebung in ständiger Abhängigkeit hält und letztlich nicht anständig sein lässt.
Franz Biberkopf, hervorragend dargestellt von Günther Lamprecht, ist immer auf der Flucht vor seiner eigenen Vergangenheit, lässt sich in skrupellose Verbrechen hineinziehen und gelangt schließlich zu der Überzeugung, dass sich das "Anständigsein" in dieser Welt nicht lohnt.
Mit "Berlin Alexanderplatz" schrieb Rainer Werner Fassbinder Fernsehgeschichte und erreichte den Höhepunkt seines Schaffens. Das Monumentalepos gilt als seine persönlichste und zugleich radikalste Arbeit. Durch sein einzigartiges Talent in seinen Filmen auch immer etwas von sich selbst zu erzählen, erscheinen seine Werke auch heute noch unverbraucht und mit hoher Aktualität.
Die Edition der Süddeutschen Zeitung umfasst 6 DVD`s mit 14 Folgen. Zuvor recht dunkle Passagen wurden realistisch aufgehellt und erscheinen in einer angemessenen Bildqualität.
Auch für Leute, die den Roman von Döblin nicht kennen, ist diese Edition sicher ein lohnendes Filmerlebnis.

Endlich auf DVD : Berlin Alexanderplatz
5 out of 5 stars.
Das zentrale Werk im Schaffen von RWF wurde nun komplett neu digitalisiert und bearbeitet und stellt sich nun über 25 Jahre später in einer neuen und gerechteren Überarbeitung der Kritik. Es ist ein Werk, auf das man sich einlassen muß. Es braucht einen Zugang und wenn es den in uns Zuschauern gefunden hat, wird seine Wirkung umso stärker sein. Die Geschichte von Franz Biberkopf, der ein besserer Mensch werden möchte und an den Umständen scheitert, fordert, reibt auf, erzählt von Dingen, die unfaßbar, nicht erklärbar sind. Diese DVD Edition wird helfen, den Film und hoffentlich auch RWF besser zu verstehen.




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