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Adam und Evelyn

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Der alte Mythos, auf den sich der Autor bezieht, steht seltsam fremd im erzählerischen Raum des Romans
3 out of 5 stars.

"Adam und Evelyn" ist ein weiterer literarischer Versuch von Ingo Schulze zu beschreiben und zu verarbeiten, was vor, in und durch die "Wende" 1989 mit den Menschen in der DDR geschehen ist.
Er hat dabei einen historischen Rahmen gewählt, jene Wochen vor der Wende, als Tausende von DDR-Bürgern nach Ungarn fuhren, nicht zum Zelten an den Balaton, sondern in der durchaus realistischen Hoffnung, die Ungarn würden erneut, wie schon vorher geschehen, ihre Grenzübergange nach Österreich öffnen.

Adam ist ein begnadeter Schneider, der vorzugsweise Frauen trotz knapper Ressourcen in der DDR fantastische Kleider auf den Leib schneidert. Wenn die Frauen, dünne und dickere, junge und ältere, sich bei der Anprobe ausziehen, da ergreift Adam gerne und oft die ihm von den Damen geradezu massiv angebotene Dankesbezeugung auf und begattet sie, nicht zu deren Unglück. Alle haben ihren Spaß, nur Evelyn, Adams Partnerin gefällt das verständlicherweise gar nicht. Nachdem sie ihn im heißen August 1989 eines Tages endlich in flagranti ertappt hat, ändert sie ihren Vorsatz und fährt statt mit Adam mit einer Freundin und einem West-Cousin nach Ungarn an den Balaton.


Adam, der von all den Republikflüchtlingen wenig hält ( wer soll denn dann die ganze Arbeit machen?), folgt ihr, sucht und findet sie. Denn er liebt Evelyn und möchte, dass sie bei ihm bleibt.

Während ihrer Auseinandersetzungen und Gespräche wird die reale Möglichkeit denkbar, über Österreich ins Gelobte Land , ins Paradies zu kommen.

Ingo Schulze spielt, indem er diesen Schwebezustand plötzlicher Wahlfreiheit für die Menschen beschreibt, mit jenem alten Mythos aus der Urgeschichte, jenem Mythos von Verbot und Versuchung, Liebe und Erkenntnis und der Sehnsucht der Menschen nach dem -vermeintlichen - Paradies.
Seitenlang läßt er seinen Protagonisten in einer Hotelbibel
Jene alte Geschichte von Adam und Eva lesen und sie seiner geliebten Evelyn erzählen.

Doch während etwa Jutta Richter in ihrem neuen Roman "Der Anfang von allem" (Hanser 2008) jene alte Geschichte wunderbar aktualisiert nacherzählt, steht sie für meine Begriffe bei Ingo Schulze seltsam fremd im erzählerischen Raum des Romans.
Für mich ist es einer der weniger gelungenen Bücher Schulzes, das man nichtsdestoweniger unterhaltsam lesen kann, das einen aber nicht vom Hocker reißt.


300 Seiten Langeweile
1 out of 5 stars.
Keinerlei Spannung, einfach und unglaubwürdige Geschichte, mühsame Dialoge. Liest sich wie das Produkt einer Amateur-Schreibwerkstatt. - Und außerdem: so kuschelig war die DDR!

Schulzes bisher bestes Buch
5 out of 5 stars.
Mit diesem Buch habe ich mich wieder mit Ingo Schulze ausgesöhnt. Und kann sagen, dass es Adam und Evelyn nicht ohne Grund auf die Shortlist des Deutschen Bücherpreises geschafft hat.
Mal wieder ein sogenannter Wenderoman denkt man beim Lesen des Klappentextes. Die Zeit stimmt, das Beschriebene ebenso und vor allem, und gerade das ist hier ein ganz gewichtiger Pluspunkt dieses Buches, man erlebt die Zeit wirklich hautnah mit beim Lesen. Ingo Schulze hat es geschafft, die Zeit wieder zu beleben. Ohne Kitsch oder Pathos, weder mit kühler Zurückhaltung noch mit Widerborstigkeit. Er beschreibt ohne den Leser seine Meinung über die Ereignisse aufzudrängen.
Mit viel Liebe zum Detail, etwas Ironie und sich immer auf das Wesentliche beschränkend erzählt uns Schulze die Geschichte eines Paares, das zusammenlebt, sich trennt und wieder zusammen kommt. Es ist von Liebe die Rede, Gewohnheit, Fremdgehen und die Reize des Neuen, des Fremden.
Die Dialoggestaltung, und davon ist das Buch voll, ist Schulze hervorragend gelungen. Knapp und pointiert, ohne viel Erzählerkommentar, sehr gut! Und die Figurenzeichnung. Gleich, ob es die flüchtende Katja ist, der vielbeschäftigte Michael, ein BRD-Bürger oder die Angyals. Sie sind glaubwürdig, schön gezeichnet, was heißt, beim Lesen entstehen Bilder, die nicht verzerrt sind. Den Blick immer auf das Wesentliche gerichtet zeichnet Schulze ein sehr starkes Bild von den aufregenden Monaten des zu Ende gehenden Jahres 1989. Dieses Buch ist mehr Wenderoman für mich als sein Neues Leben.
Ganz stark überhaupt finde ich nachher die Zeit, als die Ungarn ihre Grenzen aufmachen und was dann mit Adam und Evelyn geschieht. Wie deren Geschichte weitergeht. Beklemmend beim Lesen sind die Kapitel mit den Spionageverdacht. Da zeigt Schulze, dass auch der andere deutsche Staat seinen Geheimdienst hatte. Der DDR-Bürger glaubte doch gemeinhin, dass nur die Stasi allgegenwärtig war.
Nein, über dieses Buch kann ich nichts Schlechtes sagen. Ein Schmankerl der neueren deutschen Literatur. Mal sehen, vielleicht wage ich mal wieder an die noch nicht gelesenen Sachen von Schulze. Aber dieses Buch verdient erstmal mehr als die nur zu vergebenen fünf Punkte.



Von der Überwindung von Grenzzäunen (Paradiesen) in die Freiheit
4 out of 5 stars.
Ingo Schulze, Adam und Evelyn ist ein wirklich gelungener Roman über die Ereignisse von 1989. Der Einfall von Schulze, die Ereignisse vor der Wende mit dem Sündenfall von Adam und Eva, wie ihn die Bibel berichtet, zu verknüpfen ist genial. Nicht nur die Namen entsprechen. Da ist noch das Paradies und Arbeiter- und Bauernparadies, da gibt es aber auch noch die Wortbedeutung von Paradies. Diese bezeichnet die Umzäunung des Ortes, nicht den Ort selber. Um Grenzzäune geht es in der Bibel so, wie im Roman. Adam ist im Roman Schneider, nach der Bibel ist der erste Schneider Gott, der nach der Vertreibung aus dem Paradies den Menschenkindern Kleider aus Fellen macht. Die Idee ist genial und gut verständlich umgesetzt. Ein gelungener Roman den ich mit Interesse gelesen hab.

Den anspruchsvollen metaphorischen Rahmen literarisch leider nicht eingelöst
2 out of 5 stars.
Ingo Schulzes neuer Roman hat in der Rezeption der Kritik ein überwiegend positives Echo eingefahren. In 3Sat Kulturzeit wurde das Buch wärmstens empfohlen, und dass es der Roman bis auf die Shortlist des deutschen Buchpreises schaffen würde, konnte auch niemanden mehr überraschen. Denn der metaphorische Fokus des Werkes ist originell: der Auszug der Menschen aus der untergehenden DDR erscheint am Beispiel von Adam und Evelyne wie der Auszug von Ahnungslosen aus einem vermeintlichen Paradies.
So weit so verheißungsvoll. Wie aber ist der metaphorisch beeindruckende Rahmen literarisch ausgefüllt? Eben durch Adam und Evelyne, der erste ist ein Schneider mit einem großen Adamsapfel ( daher der Nickname), die andere ist seine Freundin, die in der DDR um einen Studienplatz kämpft. Adam kämpft nicht sondern näht und zwar wunderschöne Kleider für die Frauen, um sie dann, wenn sie seine Kreationen tragen, gerne auch mal zu beschlafen. Auf die Dauer geht das natürlich schief: Evelyne platzt überraschend in ein solches Schäferstündchen hinein und zieht empört von dannen. Wohin? Natürlich nach Ungarn, wo sich gerade damals im Sommer 1989, viele DDR-Bürger versammeln, die nur auf eine Möglichkeit lauern, das Arbeiter und Bauernparadies zu verlassen. Von diesem zeitgeschichtlichen Kontext aber ist in dem Buch kaum die Rede, stattdessen folgt die Handlung der Logik einer Irrungen-und-Wirrungen-Komödie. Adam reist seiner Evelyne in "Heinrich", seinem Oldtimer-Wartburg, hinterher, gabelt unterwegs die egozentrische Katja auf, ehe er dann am Balatonsee seine Evelyne wieder sieht. Nun kommt Michael ins Spiel, er ist zwar nicht der Erzengel, aber ein Westler, der der angesäuerten Evelyne die Verlockungen der kapitalistischen Welt so prall vor Augen führt, dass sie mit ihm schläft und sogar eine Flucht in den Westen plant (also nicht der Erzengel, sondern die Schlange?) Am Ende aber bleibt sie dann doch bei dem guten Adam, der sich in seiner Liebe dazu verleiten lässt, mit Evelyne in den Westen bis zum spießigen Onkel Eberhand nach Bayern zu fliehen (Achtung: Schiller - wo ihre Spur im Sand, da ist mein Vaterland!) Oder doch nicht? Denn dieser Ortswechel macht den armen Adam traurig, er befindet sich mit einem mal in dem Land in dem das "zuviel"( Achtung: Erbsünde) das "Wesentliche" (was ist das? die Schildkröte?) verschüttet. Doch eine Rückkehr in das Paradies ist ausgeschlossen, denn eine kurze Stippvisite in die Heimat findet das gemeinsame Haus verwüstet. Am Ende ziehen Adam du Evelyne in eine WG und beginnen als werdende Eltern ihr Leben von neuem.
Soweit die Geschichte von Adam und Evelyne, die sich auf etwa dreihundert Seiten locker herunter liest, ohne dass sich irgendwo eine sprachliche, formale oder inhaltliche Raffinesse ergäbe, die die Lektüre erschweren würde. Die Charaktere sind ebenso flach wie der Balatonsee, die Situationsschilderungen mitunter stereotyp (man denke nur an den bösen Onkel Everhard), die Handlungsführung ist an Beliebigkeit kaum zu überbieten, und was an der viel gerühmten Dialogform so großartig sein soll, ist mir bis zum Ende schleierhaft geblieben. Stattdessen erstaunt, wie wenig die dramatischen Umbrüche der Zeit in das Buch hineinspielen. Die ganze Erzählung ist von der ersten bis zur letzten Seite privatistisch, was als ein Ansatz vertretbar sein mag, bei diesem Thema alleine aber nicht hinreicht. Der anspruchsvolle metaphorische Rahmen begleitet den Leser wie eine verrheißung, die aber an keiner Selle wirklich eingelöst wird. Adams Gejammer über die verlorene Heimat ist pure Ostalgie - oder, einfacherer ausgedrückt, faule Anhänglichkeit an die Gewohnheit. Die alte DDR mit ihren einhunderttausend Stasiagenten, mit Mauer und Schiessbefehl kommt in dem Buch praktisch nicht vor, stattdessen erscheint Honneckers Land als eine Art Schlechtwetterregion, der gegenüber sich Adam am liebsten in die eigenen vier Wände zurückzieht, während Evelyne lieber in eine andere Klimazone flieht. Alles in allem also ein Buch, dass man bei schlechtem Wetter durchaus lesen kann aber nicht unbedingt muss. Tut mir leid, Ingo, da ist Tellkamp doch ein ganz anderes Kaliber.




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