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Warum unsere Kinder Tyrannen werden: Oder: Die Abschaffung der Kindheit
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| Editorial Reviews: | |  |  |
Sind unsere Kinder überhaupt noch zukunftsfähig? Zündstoff für eine grundlegende gesellschaftliche Debatte. Chakterstudie einer Gesellschaft mit psychischem Defekt - eine ebenso überraschende wie erschreckende Analyse
Kleinkinder außer Rand und Band, Zehnjährige, für die Respekt vor Eltern und Lehrern ein Fremdwort ist, 17-Jährige, die nicht mehr arbeitsfähig sind - Kinder an die Macht? Gesellschaftliche Fehlentwicklungen und eigene Probleme von Erwachsenen verhindern, sich abgegrenzt und strukturierend gegenüber dem Kind zu verhalten und diesem dadurch eine normale Entwicklung seiner Psyche zu ermöglichen. Stattdessen wird es zunächst partnerschaftlich, dann symbiotisch vereinnahmt und kann niemals eine eigene Persönlichkeit entwickeln. |  |
| Custom Reviews: | |
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| Da scheiden sich die Geister | |
|  | Getroffene Hunde bellen - und wenn ich mich hier bei den Rezessionen so umgucke dann höre ich sehr viel Gebell! (-: Es gib ja auch kein Thema das mehr polarisiert als die Erziehung und Ausbildung unserer Kinder. Man kommt dabei um die Tatsache nicht umhin, dass hier so Einiges schief läuft in den letzten Jahren! Herrn Winterhoffs Buch scheint mir in diesem Zusammenhang als ein guter Beitrag zur Ursachenforschung. Wie mir eine befreundete Gymnasiallehrerin sagte, hat dieses Buch bei Ihr einige Aha-Effekte in Bezug auf das Verhalten Ihrer Schüler ausgelöst. Winterhoff betont ja auch immer wieder, dass er keinen Ratgeber schreiben wollte. Es ist, wie gesagt, Ursachenforschung die er betreibt. Viele der dabei geschilderten Phänomene kommen zumindest mir aus meinem Alltag (Kinder von Freunden und Bekannten) erstaunlich bekannt vor. Es ist also nicht so, dass es sich hier um besondere schlimme Einzelfälle handeln würde. Die Analyse des Verhaltens der Kinder wird sehr schlüssig auf das Verhalten der Eltern, Lehrer und des sonstigen Umfeldes zurückgeführt. Die Schlussfolgerung ist klar: Kinder brauchen Regeln und Grenzen sowie Vorbilder um sich zu zufriedenen Mitgliedern der Gesellschaft zu entwickeln und sie müssen ihrem Alter entsprechend behandelt werden. Kinder eignen sich also weder als Projektionsfläche noch als Partner für Erwachsene - dafür sind sie sowohl zu unreif als auch zu unerfahren. Merke: Jeder Vogel lernt das Fliegen von seinen Eltern - jedes Kind das Leben von seinen Eltern. Nichts geschieht hier automatisch.
| | Angriff auf die Demokratie ? | |
|  | Nach dem Lesen des Buches habe ich mich gefragt, wieso es zu dieser chaotischen Erziehungs-Entwicklung kommen konnte. Vermutlich hängt dies auch mit der Demokratisierung unseres Landes zusammen. Die Kinder werden zu frühzeitig auf demokratische Entscheidungsprozesse eingestimmt. Die Kinder sind dabei überfordert, weil ihre Reife für derartige komplexe demokratische Entscheidungsprozesse noch nicht ausgebildet ist. Das Paradoxe dabei ist, dass durch diese frühkindliche demokratische Erziehung Diktatoren herangezogen werden. Offenbar macht es jedoch in der Rolle des Erwachsenen Sinn, dem Kind in der frühkindlichen Entwicklungsphase als Diktator entgegenzutreten. Mit diktatorisch ist hier gemeint "Ich diktiere und das Kind darf lernen mit dikatorischen Strukturen umzugehen." Im reiferem Alter, darf das Kind dann gesellschaftlich höherentwickelte Kommunikationsverfahren von dem Erwachsenen erlernen. Dass die Erwachsenen nicht als Diktatoren gelten wollen kann ich auf Grund der deutschen Geschichte nachvollziehen. Ich vermute, dass in einer interessanten, abwechslungsreichen psychischen Entwicklung zum Erwachsenen, das Kind entsprechend seinem Reifegrad die bisher aufgetretenen gesellschaftlichen Formen und Normen durchlaufen darf. Das Kind übt und wird dadurch immunisiert, in dem ich es mit dem "Unangenehmen" konfrontiere und nicht vor dem "Unzumutbarem" beschütze.
| | Wichtige Diskussion, aber ohne konkrete Lösungsvorschläge | |
|  | Der Autor reisst eine gesellschaftliche Entwicklung an, die sich immer deutlicher abzeichnet: Viele Kinder und Jugendliche zeigen ernsthafte Entwicklungs- und Persönlichkeitsstörungen, verhalten sich auffällig respektlos gegenüber Erwachsenen, oder kommen selbst einfachen Anweisungen wie "Hol bitte Dein Buch heraus" nicht mehr nach. Wir alle werden durch bestimmte Sendungen mit Problemfällen konfrontiert, wo Familie nicht mehr funktioniert, sondern nur noch ein Schauplatz von unerträglichen Auseinandersetzungen geworden ist. Als Tochter von zwei Lehrern würde ich auch dem Autoren in seiner Beobachtung recht geben, dass diese Problemfälle in den letzten Jahren gehäufter aufgetreten sind. Früher gab es bei meinen Eltern an der Schule keine ADS- Kinder, heute ist eigens ein Schulpsychologe für diese Kinder angestellt worden.
Winterhoff geht mit dem Instrumentarium eines Psychaters an die Analyse dieser Fälle und kommt zum Schluß, der eigentliche Fehler liege in einer partnerschaftlichen Erziehung der Eltern. Die kindliche Psyche sei aber noch nicht darauf ausgerichtet, wie die eines Erwachsenen zu funktionieren. Kinder brauchen Anleitung und Steuerung von Erwachsenen, um zu lernen, was gesellschaftsfähiges Verhalten ist. Man könnte die Botschaft des Buches unter "Lasst Kinder wieder Kinder sein" und "Erwachsene, traut Euch, wirklich erwachsen zu sein. " zusammenfassen.
Grundlegend denke ich, dass er mit diesem Ansatz - weg von der partnerschaftlichen Erziehung- recht hat. Was mich allerdings gestört hat - und deswegen gibt es auch nur vier Sterne- ist dass sich Winterhoff vor konkreten Antworten zur Problemlösung drückt. Er wolle nur die Probleme aufzeigen, damit jeder selber daran arbeiten kann, so argumentiert er. Es macht aber oft den Eindruck, als scheue er sich davor, Stellung zu beziehen, z.B. als er die Diskussion "Watsche oder nicht" anreisst, ohne konkret eine Meinung dazu zu vertreten. Wie genau sich Eltern angemessen als Erwachsene verhalten sollen, das überlässt er der Fantasie jedes einzelnen. Eine rein autoritäre Erziehung lehnt er allerdings auch ab.
Weiterhin gestört hat mich noch der teilweise sehr trockene Stil. Es machte auf mich den Eindruck, als würde jemand an der Uni ein Referat zu einer Seminararbeit halten. Lebendig zu lesen sind eigentlich nur die Beispiele im Buch. Ich habe aber schon viele sehr anschaulich und interessant geschriebene Sachbücher im Regal stehen, neben denen dieses Buch stilistisch eindeutig verliert.
Ich gebe vier Sterne, da das Buch eine wichtige Diskussion im Brennpunkt des Zeitgeschehens anreisst, und der Autor seiner Grundaussage meiner Meinung auch Recht hat. Allerdings hätte ich mir von Winterhoff mehr konkrete Lösungswege und Anleitungen, wie man es denn besser machen soll, gewünscht. Insofern kann ich die Leser verstehen, die das Gefühl haben, von ihm ein wenig im Regen stehen gelassen zu werden.
| |  | Eigentlich hätte Winterhoff sein Grundproblem selbst erkennen müssen. Gegen Ende des Buches nämlich sagt er selbst, er habe soziologische Aussagen getroffen - mit den Mitteln eines Psychiaters. Das aber kann nicht funktionieren. Ein Psychiater verfügt nicht über das Instrumentarium, gesamtgesellschaftliche Aussagen zu treffen. Und so ist auch Winterhoff immer dann gut, wenn er individualpsychologische Zusammenhänge erklärt - und immer dann schlecht, wenn er über gesellschaftliche Zustände daherbrabbelt. Winterhoffs Darstellung nach sind ganze Generationen von Kindern schwer gestört, wird der Anteil der psychiatrischen Fälle immer größer - aber Belege für seine quantifizierenden Angaben gibt er nicht. Manchmal lässt er Experten zu Wort kommen, bei denen schleierhaft bleibt, worin ihr Expertentum besteht. "Eine Hauptschullehrerin" beispielsweise darf sich über das Niveau von SchülerInnen äußern. Warum aber ausgerechnet diese Lehrerin? Warum nicht eine andere aus diesem oder einem anderen Kollegium? Was macht sie repräsentativ?? Keine Angabe. Meine Vermutung: Winterhoff bezieht seine "Experten" aus seinem persönlichen Bekanntenkreis. Das aber ist unseriös. Winterhoff hätte ein gutes Buch schreiben können, wenn er bei dem geblieben wäre, was er kann. Die psychologischen Zusammenhänge, die er erläutert, sind ja interessant. Hätte er doch besser einen Ratgeber geschrieben als eine Gesellschaftsanalyse! Oder hätte er sich doch auf 15 Seiten beschränkt! Interessant ist übrigens, dass Winterhoff einen allgemeinen Verlust an Allgemeinbildung beklagt (den er auf hanebüchene Weise fundiert) und als Maßstab immer seinen eigenen Jahrgang heranzieht, bei dem die Allgemeinbildung angeblich noch in Ordnung gewesen sein soll. Gleichzeitig fällt auf, dass spätestens auf jeder fünften Seite ein Fehler in der Kommasetzung oder der Groß-/Kleinschreibung zu beklagen ist. Wer über Bildungsverfall bei den Nachgeborenen lamentiert, darf sich solche Patzer nicht erlauben.
| |  | Ich habe mich noch nie so geärgert, ein Buch gekauft zu haben. Mit Mühe habe ich es geschafft, das Buch bis zu Ende zu lesen. Es ist schlecht geschrieben, der Autor wiederholt ein und die selbe These fast auf jeder Seite (übrigens tut er das auch noch in diversen Talkshows). Es mag ja sein, dass er in seiner Praxis mit vielen in ihrer Entwicklung gestörten Kinder zu tun hat. Vielleicht muss er sich ja mal in diversen Kindereinrichtungen davon überzeugen, dass sich die meisten Kinder völlig normal verhalten.
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