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Leonardo's Laptop: Human Needs and the New Computing Technologies
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| Hemdsärmelige Beweisführung im flachen Wasser | |
|  | Leonardo da Vinci, vielgerühmte und romantisierte Inkarnation des Typus Künstler-Ingenieur, dessen technischer Gestaltungswille noch ganz eins war mit dem Streben nach Vollendung in der Kunst, dient Shneiderman als Folie zur Kontrastierung der Leistungen modernen Computertechnologie mit visionären Versatzstücken einer vorgestellten, zukünftigen Computertechnologie, die den Menschen und ihren Bedürfnissen besser als heutige Technologie gerecht werden soll. Es ist ein legitimer Kunstgriff Shneidermans, das durch eklektische Reproduktion einzelner Werke umläufig gemachte Imago des Universalgenies Leonardo heranzuziehen zur Befreiung der Phantasie beim Nachdenken über neue Technologie. "Leonardo" ist eine verfügbare Chiffre der Zeitgeschichte. Jedoch zeigt sich an Shneidermans etwas hemdsärmeligen Implementierung Leonardos als Kreativitätstechnik ein grundsätzlicher Mangel des Buches von Shneiderman, ein Mangel, der gleichzeitig seine besondere Stärke ist. "Leonardo's Laptop" hat dem informierten Laien nicht viel Neues zu bieten. Jedoch gerade weil Shneiderman im flachen Wasser bleibt, ist die zentrale These des Buches von überall her gut sichtbar: Wahrhaft leistungsfähige, menschengerechte Computer sind anders. Das "neue" Computing orientiere sich an dem, was Menschen können und wollen, nicht an dem, was Computer können. Allein, Shneidermans Beweisführung lässt an Stringenz zu wünschen übrig, große Namen wie Jürgen Habermas und Thomas Kuhn betreten immer nur einen Absatz lang - man könnte meinen des Effektes wegen - das Shneidermansche Welttheater, seine Beispiele wirken gelegentlich gegriffen und die kritiklose Propagierung der ubiquitären Sammlung und Verarbeitung personenbezogener Daten durch technische Systeme lässt dem Leser im alten Europa mulmig zumute werden. Shneidermans technokratische Visionen ruhen auf einem Modell von Sozialität, dessen wesentliches Merkmal die Verfügbarkeit von Information über andere Personen ist. Wie durch einen glücklichen Zufall erscheinen so die von Shneiderman vertretenen Computerwissenschaften als die zentrale Institution zur Lösung der Zukunftsfragen des guten Lebens. Neben dem Verdienst, auf den Menschen nachdrücklich hinzuweisen, bleibt so der Kritikpunkt, dies mit einer sozial verbrämten, technokratischen Fixierung zu tun. Shneidermans Argumentation ist mit der Annahme einer kommoden Mittelhaftigkeit von Technik ohne Anerkennung identitätsverschiebender Rückkopplungseffekte technikphilosophisch naiv und auch hinsichtlich der sehr optimistischen Einschätzung der Möglichkeiten einer Abbildung von Wirklichkeit in Datenstrukturen im schlechten Sinne theoretisch. Letzteres zeigt sich etwa, wenn Shneiderman empfiehlt, medizinische Zweitexpertise im großen Stil per Internet-Kurzdiagnose heranzuziehen. Über die praktische Unschärfe der Versprachlichung von Krankheitsbildern und den häufig inventiven Charakter der Zuordnung von Name der Krankheit und Befindlichkeit des Patienten, könnten beispielsweise Ärzte und Ärztinnen nachdenklich machende Auskunft geben - wenn man sie danach fragte. Shneiderman hat ein Professorenbuch geschrieben, leider. Trotzdem, wie es einer seiner Kollegen ausdrückte: "Hurrah for Ben Shneiderman". Menschliche Bedürfnisse sollten im Mittelpunkt der Technikentwicklung stehen. Auch wenn die Operationalisierung dieser Forderung schwierig ist, weil bis auf wenige unstrittige Grundbedürfnisse nicht so genau angeben werden kann, welche das sind oder sein sollten. Es muss immer wieder gesagt werden.
| | Das"New Computing" ist die Zukunft | |
|  | "The old computing is about what computers can do; the new computing is about what people can do", dieser Satz beschreibt den Inhalt des Buches sehr treffend. Technologische Spitzenleistungen MÜSSEN mit den Bedürfnissen der End-Benutzer harmonieren. Dieses Buch vermittelt auf 269 Seiten eine Perspektive der Computerwissenschaften, die den Menschen in den Vordergrund stellt. Ausgehend von Kritik an schlecht und schwierig benutzbaren Computersystemen, fordert Shneiderman das ehrgeizige Ziel, dass 'die End-Benutzer durch die Informationstechnologien bei der Verfolgung ihrer Ziele (im Beruf, im Alltag, in der Freizeit usw.) erfolgreich unterstützt werden sollen. Das "new computing" soll klare Mehrwerte und nicht Frust bringen. Shneiderman hängt das Ganze an Leonardo da Vinci (1452-1519) auf, wie man diesen "digital illiterate" bestmöglich unterstützen könnte. Wichtig sind dabei die Grundkonzepte von Shneiderman, die er auf vier stufen menschlichen Handelns runterbricht: collect (Suche nach Information) - relate (Aufbau von Kommunikation) - create (Bildung von Ideen) - donate (Beitrag zur Community). Shneiderman führt dazu vier Wirkungsbereiche ein: Individuum, Familie, Kollegen, Mitbürger. Basierend auf diesen Theorien beschreibt er dann einige Anwendungsmöglichkeiten, wie z.B. e-Learning, e-Business, e-Health, e-Government. Interessant ist auch der formale Aufbau des Buches: Jedes Kapitel enthält am Schluß einen "Sceptics Corner", in dem die Aussagen und Vorschläge des jeweiligen Kapitels kritisch hinterfragt und diskutiert werden. Dieses Buch ist eine Plfichtlektüre für alle die sich mit Human-Computer Interaction, Usability, Interface-Design usw. beschäftigen. Insbesondere sehr empfehlenswert für Studierende der Computerwissenschaften. (Andreas Holzinger, Uni Graz)
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